Stadion Essen erhält das "Wasserzeichen"

Nachhaltiger Umgang mit Regenwasser wird von der Emschergenossenschaft ausgezeichnet

Mit gutem Beispiel geht das Stadion Essen voran: Anstatt Regenwasser in die Kanalisation zu leiten, wird das vom Himmel fallende Nass gleich vor Ort in die Berne geleitet. Dieses Engagement wird belohnt: Die Maßnahme „Neubau Stadion Essen“ wurde heute von der Emschergenossenschaft mit dem „Wasserzeichen“ ausgezeichnet. Es steht als Symbol für einen intakten Wasserkreislauf und wird für Projekte vergeben, die sich den nachhaltigen Umgang mit Regenwasser zum Ziel gesetzt haben. Die Auszeichnung übergab Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft, an Essens Umweltdezernentin Simone Raskob und Dirk Miklikowski, Geschäftsführer der Grundstücksverwaltung der Stadt Essen.

Im Zuge der Neubebauung der Flächen an der Hafenstraße wurde eine vollständige Trennung der Schmutz- und Regenwasserentwässerung durchgeführt. Mit Ausnahme der Erschließungsstraße und der Parkplatzfläche P1 sowie der Sonderaufstellfläche für Einsatzfahrzeuge sind sämtliche Flächen der Stadionumfahrung, die Dachflächen der Tribünen und des Warmgebäudes sowie das Spielfeld (in Summe rund 65.500 m²) abgekoppelt worden!

Die darauf anfallenden sauberen Niederschläge laufen über vom Schmutzwasser getrennte Entwässerungseinrichtungen und unterirdische Rohrleitungen insgesamt drei Drosselbauwerken zu, über die die maximal in die Berne einzuleitende Menge (rund 200 Liter pro Sekunde) reguliert wird.

Speichervolumen

Sollten während stärkerer Regenfälle größere Abflüsse auftreten als die, die in die Berne abgeleitet werden dürfen, befinden sich am Rand des inneren Stadionrings sowie unterhalb der Mulden-Rigolen unterirdische Retentionsräume, die mit ihrer Länge von insgesamt rund 425 Metern am inneren Stadionring und rund 1800 Meter unterhalb von Mulden-Rigolen ein Speichervolumen von weiteren rund 800 m³ aufweisen.

Hintergrund:

Der Umgang mit Regenwasser ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Thema in der Siedlungswasserwirtschaft geworden. Nicht nur für Städte und Planer, auch für jeden einzelnen Grundstückseigentümer gewinnt dieses Thema an Interesse, da die Entwässerungsgebühren für sauberes Regenwasser, das über die Kanalisation abgeleitet wird, oft beträchtliche Summen ausmachen.

Mit der zunehmenden Versiegelung von Flächen in unseren Städten werden nämlich immer mehr Niederschläge über die Kanalisation abgeleitet. Um die immensen zusätzlichen Wassermengen bei Regenfällen abführen zu können, müssen das Kanalnetz und die Speicherbauwerke entsprechend ausgebaut werden – ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Beim Umbau des Emscher-Systems ist diese Form der Regenwasserableitung zudem schlecht für die Gewässer, denn ihnen geht ohne Regenwasser buchstäblich das Wasser aus. Gründe genug, die Ableitung des Regenwassers über die Kanalisation neu zu überdenken. Emschergenossenschaft und Kommunen der Region sind sich einig: Innerhalb von 15 Jahren sollen die Abflüsse in der Kanalisation um 15 Prozent sinken – indem das Regenwasser einen anderen Weg geht. Sie versprechen sich davon Kosteneinspa-rungen beim Bau der neuen Kanäle und einen Gewinn für die Umwelt. Und für alle Grundbesitzer mit großen Dach- und Hofflächen kann der andere Umgang mit Regenwasser ein Weg sein, mit praktiziertem Umweltschutz Geld zu sparen.

Zahlreiche namhafte Unternehmen aus der Region haben das wirtschaftliche Potential einer geänderten Regenwasserbewirtschaftung bereits erkannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt, die hier Jahr für Jahr beachtliche Einsparungen bei den Abwassergebühren bewirken. Jeder Schauer wird so zu einem „warmen Regen“ für die Firmenkasse.

Green Capital 2017

Maßgebliche Bedeutung hatte die Kooperation zwischen der Emschergenossenschaft und der Stadt Essen in punkto Regen-wasserbewirtschaftung an dieser Stelle: Der Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ wurde der Stadt Essen unter anderem als Preis für eine konsequente umweltgerechte Stadtentwicklung und integrale Wasserwirtschaft verliehen. Besonders das Ziel der Zukunftsvereinbarung Regenwasser beeindruckte dabei die Jury.

Durch zahlreiche weitere Einzelmaßnahmen des Handlungsprogramms „Neue Wege zum Wasser“ wurde in Essen nachhaltig in Regenwasserabkopplungen und Erneuerung der Abwasserinfrastruktur investiert. Durch Belebung und Attraktivierung der Nord-Süd-Achsen, Öffnung und Anbindung der Innenstadt an ökologisch weiter qualifizierte Grünbereiche, Erlebbarkeit von Wasser in der Stadt und Aufwertung angrenzender Quartiere durch lebendige Wasser- und Grünflächen wurden wichtige Impulse für die Stadtentwicklung gesetzt, sowie Vorsorge in Form von Klimaanpassungsmaßnahmen getroffen.

Derartige Maßnahmen führen zu einer maßgeblichen Verbesserung der Grün- und Wegevernetzung und der Niedrigwasserführung der Gewässer im Stadtgebiet, was einen wichtigen Beitrag für die ihre Entwicklung im Rahmen der ökologischen Verbesserung des Emscher-Systems darstellt.

Emscher-Umbau in Essen

Rund zwei Drittel des Essener Abwassers fließen in die Emscher: Zum Emscher-System zählen u.a. neben der Emscher selbst die Berne, der Borbecker Mühlenbach, der Schwarzbach, der Stoppenberger Bach, der Schurenbach und der Katernberger Bach. Im Zuge des Generationenprojekts Emscher-Umbau werden auch diese Gewässer vom Abwasser befreit und anschließend naturnah umgestaltet.

Aktuell arbeitet die Emschergenossenschaft an der Berne im Bereich Bergeborbeck. Am Schurenbach sind die Arbeiten seit diesem Frühjahr abgeschlossen. Die Emschergenossenschaft hatte das Gewässer südlich der Schurenbachhalde offengelegt.

In Essen plant die Emschergenossenschaft im Rahmen des Emscher-Umbaus Investitionen in Höhe von insgesamt 615 Millionen Euro. Davon wurden bislang rund 223 Millionen Euro eingebracht. Von insgesamt 45 Kilometern an neuen Abwasserkanälen in Essen wurden bereits 19 Kilometer fertig gestellt, von insgesamt 35 Kilometern an Ge-wässerläufen wurden bereits in Essen 6 Kilometer renaturiert.

Info:

Weitere Informationen zu Essener Regenwasser-Projekten gibt es auf www.emscher-regen.de.

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